Kluckes Kurz-
und Kleinkunst

 

Alles bestens – oder: Ich muss dann mal Schluss machen

ein „Best of” zum 30jährigen Bühnenjubiläum

von und mit Einhart Klucke

Alle Krisen sind bewältigt, ob Wirtschaft oder Midlife. Deutschland wird von einer Frau regiert und Klucke hat die Rente durch. Soll man aufhören, wenn es am schönsten ist? Oder wenn die Hüfte weh tut? Oder doch weitermachen, um der drohenden Alters­depression entgegen zu wirken und Schwarz-Grün zu verhindern? Auf Kluckes Antworten darf man gespannt sein. Sie zeigen einmal mehr ein Leben, vom Kabarettisten gezeichnet. Vielleicht aber auch nur einen Kabarettisten, vom Leben gezeichnet...
 Einhard: alles bestens

Premiere:
16. Juli 2010, 20 Uhr, anschließend große Jubelfeier
im Theaterhaus TIG 7

weitere Vorstellung:
17. Juli 2010, 20 Uhr
und dann wieder ab Herbst

Weitere Infos auf www.tig7.de

Presse:

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Morgenmagazin
17. Juli 2010

Einhart Klucke feiert mit einem Best-of-Programm im Mannheimer Theater in G 7 sein 30-jähriges Bühnenjubiläum

„Kabarett ändert die Welt nicht, aber . . .”

Von unserem Mitarbeiter Martin Vögele

Ein Spitzbube ist er, ein Eulenspiegel, daran ändern auch die 63 Lebensjahre nichts, die Einhart Klucke am kommenden Sonntag vollenden wird: Ein Künstler und Kabarettist, der sein Programm zum 30. Bühnenjubiläum „Alles bestens – Oder: Ich muss dann mal Schluss machen” betitelt, forciert naturgemäß die Frage, ob dies denn zugleich seinen Bühnenabschied bedeute. „Ich muss jetzt sibyllinisch antworten”, sagt er lachend: „Die Befürchtung will ich schon erwecken.” Er wolle „das noch in der Schwebe halten”, habe aber „schon vor, dann noch mal ein Comeback zu machen”.

Zunächst einmal aber bietet das musikalisch von Andreas Rathgeber begleitete „Alles bestens” - Premiere ist am morgigen Freitag im Mannheimer Theaterhaus in G7 - ein Best-Of der Programme, die Einhart Klucke zusammen mit Frederic Hormuth als Regisseur erarbeitet hat („Langsam reicht's”, „Apo/Opa”, „Ich kenne meine Grenzen”) – plus einige „ganz alte Sachen”.

Dabei hatte es zwischenzeitlich ganz so ausgesehen, als würde der gebürtige Frankfurter einen eher bürgerlichen Karriereweg beschreiten: Nach Erfahrungen als Straßentheatermacher in Hamburg, studierte Klucke Germanistik und Anglistik und arbeitete drei Jahre als Lehrer. 1980 allerdings verabschiedete er sich aus dem Staatsdienst und zog mit „Klaun gegen Rechts” auf „Anti-Strauß-Wahlkampf” durch Bayern. Solo-Programme wie „Lieber lebendig als normal” oder „Lacht kaputt was Euch” folgten, bevor Klucke 1989 seiner Frau wegen von Köln nach Mannheim zog. Ab diesem Jahr arbeitete er als Gewerkschaftssekretär für die IG Medien (später ver.di), im Jahr 2004 ging er in Altersteilzeit.

Einhart Klucke: ApoOpa
Ihm geht auch nach 30 Jahren die Puste noch nicht aus: der Kabarettist Einhart Klucke       Bild: Thomas Tröster

Unter dem Dach von „Kluckes Kurz- und Kleinkunst” entstanden in dieser Zeit verschiedene Performanceprogramme, ebenso die Solo-Dauerausstellung „Hommage an alle - der Künstler ist anwesend”. 1995 kam er an das TiG 7, agierte dort immer wieder auch als Ensemble-Schauspieler - ob als Mephisto im „Urfaust”, in Kindertheaterstücken, oder in „I Hired A Contract Killer”; dort richtete er überdies diverse Lesungen ein. Seit 2002 ist Klucke auch im Leitungsteam des Theaterhauses aktiv, zudem gehört er dem Vorstand des baden-württembergischen Landesverbandes freier Theater an. Daneben fand der Künstler genug Muse, etwa eine Internet-Talkshow auf Lateart.TV zu moderieren oder zuletzt am Speyerer Kinder- und Jugendtheater bei „Adieu Herr Muffin” als alterndes Meerschweinchen (!) auf der Bühne zu stehen.

30 Jahre auf der Bühne - was hat sich für einen Kabarettisten in dieser Zeit geändert? „In den 70er-, 80er-Jahren war das Feindbild etwas klarer”, fasst Klucke im Gespräch zusammen. Durch „die Angleichung der Parteien” habe sich dies aber geändert: „Im Prinzip macht man jetzt Kabarett gegen Verhältnisse, während man es damals schon noch ein bisschen gegen politische Richtungen gemacht hat.” Gerade vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Comedy (manche kennen den Unterschied zwischen beiden Genres gar nicht, bemerkt Klucke) brauche man Kabarett auch heute noch „unbedingt”. Zugleich stellt er klar: „Kabarett verändert die Welt nicht. Wenn man vielleicht jemanden dazu bringt, dass er über ein Wortspiel oder über eine Pointe Zusammenhänge anders sieht, dann ist das schon viel.” Und: „Ich will natürlich, dass die Leute Spaß haben. Das ist das Allerwichtigste”.

Maßnahme gegen Armut
Warum eine Abkehr Einhart Kluckes von der Bühne keine wirkliche Option ist? Weil die gescheite, kritische Jovialität, die er über die Jahre gezeigt hat (und immer wieder zeigt), dem Zuschauer weder ruckhaft den erhobenen Zeigefinger ins Auge bohrt, noch jemals in die Niederungen von Gefälligkeits-Comedy hinabsteigt. Kabarett mag die Welt nicht verändern. Aber ohne Künstler wie Einhart Klucke wäre sie ein gutes Stück ärmer. Gratulation zum 30. Bühnen­jubiläum!